St. Johannes – Rulle

Marienbrunn in Rulle, so lang schon Menschenziel
für zahllos bunte Gruppen, die pilgernd dorthin ziehn.
Betend, singend hier, pilgern heute wir
zum Quell, der so viel Zeit schon Menschen hat befreit.

Ruller Pilgerlied
Text: Ferdinand Fasse, Melodie: Ein Haus voll Glorie schauet

Rulle – ein Klosterort! – Von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis 1802 wirkten hier Zisterzienserinnen in einem kleinen Konvent. Sie nutzten die Schwesternkirche als ihren Gebetsort. Im Kloster – ursprünglich „Marienbrunn“ genannt – entstand um 1300 eine außerordentlich prächtige Bilderhandschrift für den Gebrauch im Gottesdienst – der „Codex Gisle“ (heute im Diözesanarchiv Osnabrück). Im ehemaligen Äbtissinenhaus, gegenüber dem Kirchturm, ist heute die Jugendbildungsstätte „Haus Maria Frieden“ untergebracht. Ein in der Turmhalle hängendes Ölbild gibt die gesamte Klosteranlage in der frühen Neuzeit wieder.

Rulle – ein Wallfahrtsort! – Seit vielen Jahrhunderten pilgern Männer und Frauen zur St. Johannes-Kirche nach Rulle, um in ihrer Not um Gottes Beistand zu bitten.

Die Wallfahrt geht zurück auf ein Blutwunder im Jahr 1347. Die Pilger finden in der Gnadenkapelle, die von der Turmhalle abgeht, Ruhe zur eucharistischen Anbetung vor der Blutmonstranz und zur Verehrung der Schmerzensmutter beim Ruller Gnadenbild.

Am Marienbrunnen hinter der Kirche suchen  sie  Linderung ihrer Leiden. Die Wallfahrer kamen und kommen vor allem aus der umliegenden Region, aus dem Emsland und dem Osnabrücker Raum. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs  pilgern auch viele Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Bistum hierher.

Die St. Johannes-Kirche spiegelt die lange Geschichte des Klosters und der Wallfahrt wider. Sie besteht aus vier unter einem gemeinsamen Dach vereinten Gebäudeteilen: Die Gnadenkapelle wurde im 12. Jahrhundert als Pfarrkirche der Ruller Gemeinde gebaut. Der Kapitelsaal des Klosters im Westen stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert. Dort trafen sich die Schwestern zur Beratung.

Das Ruller Kloster trug ursprünglich den Namen „Marienbrunn“ und war, wie alle Zisterzienser-Kirchen, der Gottesmutter Maria gewidmet.“ Die Kirche des Klosters entstand in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in strengem Zisterzienserstil als einschiffige Saalkirche. Der Chorraum dieser Kirche wurde in den Jahren 1928-29 abgebrochen. Die Kirche wurde nach Osten um einen fast quadratischen Raum im neugotischen Stil erweitert, dessen kunstvolle Gewölbe wie ein Zeltdach wirken.

Der kleine Dachreiter, das unscheinbare Türmchen auf dem Dachfirst nahe am Kirchturm, erinnert noch an den schlichten Baustil der Zisterzienser.

Besonders sehenswert sind:

Blutmonstranz (Gnadenkapelle, 1652)

Gnadenbild der Schmerzhaften Gottesmutter Pièta (Gnadenkapelle, ca. 1720)

Das Altarbild mit der Darstellung der Fünf Geheimnisse des Schmerzhaften Rosenkranzes (1930, Ludwig Nolde)