Johann-Ernst-Hanxleden-Platz – Ostercappeln

Kennen Sie Johann Ernst Hanxleden? Dieser 2019 neu gestaltete Platz wurde nach ihm benannt, weil er 1681 in Ostercappeln geboren wurde.

In die weite Welt zu ziehen, das gelang jungen Männern im 17. Jahrhundert nur unter den Fittichen des Hochadels und der Kirche.
Auf den Adel derer von Hanxleden konnte sich Johannes, Schüler des Gymnasiums Carolinum zu Osnabrück (1691-1699), nicht verlassen, auf die Kirche umso mehr.
So verließ er 1699 seine Heimat und gelangte als Novize, so nennt man die „Neulinge“ in einem Orden, des Jesuitenordens nach abenteuerlicher Land- und Seereise Ende 1700 nach Goa in Indien, wanderte fast tausend Kilometer durch das Land südwärts bis nach Trichur.

Wappen der Familie von Hanxleden

In seiner neuen Umgebung veränderte sich Hanxleden, glich sich den Lebensverhältnissen des Landes an, lernte die Sprachen Portugiesisch, Malayalam und Sanskrit und ging auf die Inder zu, die den jungen Jesuiten bald auf Grund seiner Liebenswürdigkeit „Arnos Padiri“ (Pater Ernst) nannten.

In ihrer Diplomarbeit „Johannes Ernestus Hanxleden SJ und seine geistliche Ballade Puthen Pana“ schreibt die Pastoralreferentin Doly Kadavil aus der Gemeinde St. Aposteln in Frankfurt/Main:
Sein Apostolat bestand darin, den christlichen Glauben in den Menschen zu verankern. Inkulturation war der Weg, der sich letztlich für ihn als vielversprechendster erwiesen hat. Hanxleden hat sich als Europäer so umfassend in eine fremde Kultur integriert, dass er sich ihr Denken und Fühlen zu eigen machte ohne seine christliche Überzeugung preiszugeben“,

Hanxledens Gedichte und Lieder werden noch heute in Indien gesungen. Im Baustil der „Kleinen Kirche“ in Osnabrück ließ er die Pfarrkirche in Velur errichten.

Die „blaue Kirche“ im Stil der Osnabrücker Gymnasialkirche, die im Volksmund auch „Kleine Kirche“ heißt.

Seine Sprachforschungen in Malabar (Grammatica Grandorica) galten und gelten für die Wissenschaft weltweit als bahnbrechend. Doly Kadavil weiter über Hanxleden: „In dieser Hinsicht ist er bis in unsere Zeit hinein wegweisend für eine Kirche, die nur glaubwürdig bleiben kann, wenn sie sich dem interkulturellen und interreligiösen Dialog nicht verschließt“. 

Im Juni 1995 besuchten, anlässlich der 4. Welt-Malayalam-Konferenz in Hopsten, über 40 Politiker, Wissenschaftler und Priester aus Kerala die Lambertikirche in Ostercappeln.
Hanxleden hatte sich seinerzeit besonders um die Sprache Malayalam verdient gemacht. Er übersetzte Gebete in die Sprachen Malayalam und Sanskrit, die noch heute in den Gottesdiensten in Indien gelesen werden.
In Deutschland weisen nur kurze biographische Einträge auf Arnos Padiri hin, in Kerala dagegen wurde ihm zu Ehren sogar ein Museum eingerichtet. Auch ein Grabstein mit noch lesbarer Inschrift ist an seiner Todesstätte zu finden.
Die Besucher legten am Taufstein in Ostercappeln einen Blumenstrauß nieder und entzündeten Kerzen.

Wer mehr über Hanxleden wissen will, kann hier nachlesen:

Doly Kadavil: „Johannes Ernestus Hanxleden SJ und seine geistliche Ballade Puthen Pana“. Diplomarbeit

Abraham Adappur: „Aus Ernst wurde Arnos: Johann Ernst Hanxleden, Missionar und Sprachgenie“  Bod-Books on Demand, Norderstedt, ISBN 978-3-7528-2969-3, 30. Januar 2020

James Puliurumpil: Arnose Pathiri a Pioneer Indologist, Oriental Institute of religous studies, India Vadavathoor 686 010