St. Johannes Apostel – Wietmarschen

Der 34 Meter hohe Turm aus dem Jahr 1927 dieser Wallfahrtskirche, vor der Sie jetzt stehen, beherbergt vier Glocken, die immer eine Viertelstunde vor den Gottesdiensten die Gläubigen einladen. Außerdem läuten sie um 7 Uhr zur Sext, um 12 Uhr zum Angelus und um 18 Uhr zur Vesper. Zum Angelus-Gebet wird jeden Mittag in die Marienkapelle eingeladen. Ist jemand aus der Gemeinde gestorben, läuten die Glocken um 11:45 Uhr.
Der Schall der Glocken dringt durch 20 Schallluken nach draußen. Innerhalb des Turmes ist der Klang der Glocken allerdings so laut, dass die Ohren mächtig zu leiden haben. In den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts mussten das zwei Jungen erfahren. Sie waren über eine Leiter in den Turm geklettert. Es interessierte sie sehr, wie es da oben wohl aussehen würde. Das Besteigen war natürlich nicht erlaubt. Leider hat der Küster Johann Osseforth beide beobachtet und die Leiter entfernt.

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Die beiden Jungen Hermann und Bernd

Nun waren die Jungen dort oben gefangen. Was sollten sie tun? Es war ihnen wohl bewusst, dass sie etwas Verbotenes getan hatten. Zuerst versuchten sie, sich noch einen Spaß daraus zu machen, doch dann fingen zu allem Übel um 12 Uhr die Glocken zu läuten an. Der Küster hatte sich natürlich etwas dabei gedacht, als er ihnen den Rückweg unmöglich machte. Die Turmbesteiger hielten sich mit beiden Händen die Ohren zu, doch der Lärm war fast nicht auszuhalten. Wie froh waren sie, als das Läuten aufhörte und der Küster sie wieder runter ließ. Nie wieder sind sie ohne Erlaubnis hoch geklettert.
Heute gibt es eine Treppe, über die man den Turm besteigen kann (die Tür dahin ist aber verschlossen, ein Begehen des Turmes ist nur unter Aufsicht erlaubt). Leider gibt es dort oben aber keine Aussicht, denn die Schallluken haben keine Seeschlitze. Man betritt einen größeren, fensterlosen Raum, in dem vor einigen Jahren manchmal mit Firmgruppen eine Hl. Messe gefeiert wurde. Es gibt eine kleine Luke, durch die man kriechen kann, dann steht man neben dem großen Kirchengewölbe. Das ist allerdings eine ziemlich gefährliche Angelegenheit, da das Gewölbe nicht trittfest ist.
Vor dem Anbau der Kirche im Jahr 1927 gab es einen hölzernen Glockenturm, in dem drei Glocken hingen. Sie waren von Stiftsdamen gespendet worden.