Kirche Heilige Familie – Osnabrück

Friedhof und Kirche unter einem Dach

„Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“, so sangen die Mönche bei ihrem Nachtgebet im Mittelalter. Viele Jahrhunderte später passt diese Liedzeile gut für die katholische Kirche „Heilige Familie“ in Osnabrück. Denn die Kirche ist mittlerweile eine Kolumbariumskirche geworden. Eine Besonderheit, denn sie wird gleich doppelt genutzt: als Gottesdienstraum der Gemeinde – und als Begräbnisstätte. Genau das ist ein Kolumbarium: ein Aufbewahrungsort für die Urnen von Verstorbenen. Kolumbarium war ursprünglich die lateinische Bezeichnung für einen Taubenschlag; wegen der optischen Ähnlichkeit wurden dann auch altrömische Grabkammern mit reihenweise übereinander angebrachten Nischen zur Aufnahme von Urnen so benannt. Heute sind Kolumbarien ein neuer Trend unserer Bestattungskultur – und eine Alternative zum klassischen Friedhof.

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Gebaut wurde die Betonrundkirche „Heilige Familie“ am Schölerberg im Jahr 1960. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war sie mit ihren 340 Plätzen zu groß geworden. Das neue Konzept der Kolumbariumskirche wurde beschlossen. Nach einem knappen halben Jahr Bauzeit wurde die Kolumbariumskirche 2010 eingeweiht. Mit Altarweihe und Friedhofsweihe.

Heute feiern in der Kirche Gläubige Gottesdienst, während in den Wänden neben Altar und Kirchenbänken Urnen mit der Asche Verstorbener aufbewahrt werden. Es ist ein Ort, wo sie ihre letzte Ruhestätte finden und Angehörige trauern, aber wo auch Brautpaare getraut und Kinder getauft werden. „Mir hat mal ein Gemeindemitglied gesagt: ‚Seit wir die Toten haben, ist richtig Leben in der Kirche’“, erzählt eine Frau aus dem Kirchenvorstand. Platz bietet das Kolumbarium derzeit für 850 Urnen.

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Der Kirchraum ist nach seinem Umbau in seinem runden Grundprinzip erkennbar, ist aber durch halbhohe Zwischenwände verkleinert. Hinter diesen Zwischenwänden befindet sich ein etwa vier Meter breiter Umgang, in dessen Seiten rechts und links die Nischen für die Urnen angebracht sind. Verbunden sind beide Teile durch den gemeinsamen Eingangsbereich mit dem Taufbecken und zwei kleineren Durchgängen. Und durch das Kreuz. Denn unter dem großen, runden Dachfenster, unter dem früher der Altar stand, ist nun ein Teil der Trennmauer – und die ist kreuzförmig durchbrochen. Am durchbrochenen Kreuz hängt das Corpus des alten Altarkreuzes.

Gleichzeitig sind Kirchraum und Kolumbarium auch durch die Materialien verbunden. Etwa durch das helle Eschenholz oder durch das Messing, aus dem die Verschlussplatten der Urnennischen gemacht sind – aber auch das große Kreuz, das in den Altar eingelassen ist.